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BMBF-Verbundprojekt FungiColor: Natürliche Farbstoffe aus Ständerpilzen (Basidiomycota)

BMBF-Verbundprojekt FungiColor: Natürliche Farbstoffe aus Ständerpilzen (Basidiomycota)

Das wachsende Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein schafft Wettbewerbsvorteile für Textilien, Cremes, Duschgele, Haarfärbemittel, dekorative Kosmetik, Lacke und Lasuren, Holzprodukte, Papier- und Druckerzeugnisse, die mit Naturstoffen gefärbt sind. Seit Jahrhunderten sind Farbstoffe aus Pilzen bekannt. Im Verbund mit der TU Dresden und Industriepartnern werden ausgewählte Ständerpilze in angepassten Bioreaktoren kultiviert und empirisches naturstoffchemisches Wissen in ein biotechnologisches Verfahren zur Gewinnung von lichtechten, waschfesten und bioabbaubaren Farbstoffen für den industriellen Einsatz überführt. Kontinuierlich wachsende Pilzmycelien kennen keine Jahreszeiten, sind überall und unabhängig von Außenfaktoren (Klima, Wetter) bedarfsangepasst kultivierbar. Im Gegensatz zu Färbepflanzen benötigen sie weder Ackerfläche noch Dünger oder Pestizide, und sie konkurrieren nicht mit der Lebensmittelerzeugung. Die biotechnologische Gewinnung von Pilzfarbstoffen ist bisher jedoch kaum beforscht worden.

Bioprozesse mit xylophilen Basidiomyceten nutzen nicht nur deren faszinierende metabolische Diversität, sondern auch die gute Kultivierbarkeit auf großvolumig vorhandenen agrarischen Reststoffströmen (Kleien, Fasern, Schalen ….) anstelle teurer synthetischer Medien (www.basidionet.de). So kann auf paradigmatische Weise der Wandel von einer auf Erdöl basierenden Produktion zu einer nachhaltigeren, biobasierten Wirtschaftsweise im Sinne der zirkulären Bioökonomie eingeleitet werden. Naturfarbstoffe sind hochgeschätzte Wertstoffe (z. B. Purpur (6,6‘-Dibromindigo) aus Hexaplex trunculus: 2.500 €/Gramm), während synthetische (z. B. Azo- oder Triphenylmethan-) Farbstoffe potentiell Allergie auslösend und nach Spaltung zu cancerogenen Aminen gesundheitsschädlich sein können. Neue Konzepte zur Effizienzsteigerung durch metabolische und ökologische Stimuli, neue verfahrenstechnische Ansätze, in situ Produktentfernung und die Integration digitaler Technik zur Optimierung der Prozesse sind Schlüsselbegriffe für die Entwicklung von Zukunftstechnologien der industriellen Bioökonomie.